Die Kraft der Nähe
Wie du mit deinem Einkauf deine Umgebung verändern kannst!
Wie du mit deinem Einkauf deine Umgebung verändern kannst!
Wenn Geld in der Region bleibt, zirkuliert es dort häufiger mehrfach und fungiert als Multiplikator für die Wirtschaft. Ein Euro beim lokalen Erzeuger finanziert den lokalen Handwerker, der wiederum sein Auto zur lokalen Werkstatt bringt, zum lokalen Friseur geht und die lokale Werbeagentur beauftragt. Die regionale Wirtschaft sichert über die Gewerbesteuer die Existenzgrundlage von Schulen, Nahverkehr, Museen und Parks.
Globale Abflüsse hingegen entziehen der Region dauerhaft Liquidität. Je häufiger also ein regionaler Anbieter gewählt wird, desto besser für die regionale Wirtschaft und die Region generell.
Und wer weiß: Vielleicht findet ein Teil des Geldes, das du in ein regionales Produkt investierst, über Umwege wieder den Weg zurück zu dir!
Die Krisen der letzten Jahre haben uns bereits aufgezeigt, wie empfindlich unsere globalisierte Lebensmittelproduktion auf Störungen reagiert. Häufig kommt der Großteil eines Produkts in den Supermarkt-Regalen nur aus einer oder wenigen Regionen. Politische oder klimatische Krisen in diesen Regionen führen dann schnell zu generellen Engpässen und Preisschwankungen. Ein gutes Beispiel dafür war das Sonnenblumenöl zum Anfang des Ukraine-Kriegs.
Diversifizierte, dezentrale Lieferketten können solchen Engpässen entgegenwirken und die Region resilienter zum Weltmarkt machen. Zum Beispiel dadurch, dass jede Region weiter kleinere Mengen jedes Produkts herstellt. Damit das gelingen kann, braucht es aber dauerhaft stabile Abnahmemengen, damit die notwendige Infrastruktur für die Wertschöpfungsketten finanziert werden kann. Fällt diese nämlich weg, ist es sehr aufwändig, sie wieder neu aufzubauen. Bei kritischer Infrastruktur sollten wir in dem Zuge also nicht nur an Straßen und Energienetze denken, sondern auch an kleine Mühlen, Molkereien, Schlachtereien und den kleinen landwirtschaftlichen Betrieb im Dorf.
Aber nicht nur die kritische Infrastruktur profitiert von regionaler Wertschöpfung, auch die Biodiversität. Denn während das globale System auf Effizienz und Hochleistung setzt, fördert lokale Landwirtschaft alte Sorten und Rassen. Außerdem werden für den regionalen Bedarf häufig kleinere Mengen verschiedener Pflanzenkulturen angebaut. Ein klarer Gegenentwurf zur Monokultur. In einer Welt, die aufgrund des Klimawandels immer mehr bedroht ist, ist diese Biodiversität unsere biologische Rückversicherung gegen neue Schädlinge oder Wetterextreme.
Und nicht nur das. Regionale Landwirtschaft pflegt auch die Kulturlandschaft. Regionale Produkte haben häufig einen kulturellen oder traditionellen Hintergrund. Regionen mit einer starken Identität sind häufig auch die Regionen, die besonders interessant für Tourismus sind. Gleichzeitig sind Touristen auch beliebte Abnehmer für regionale Produkte. Regionale Wertschöpfung und Tourismus beeinflussen sich also gegenseitig. Am Ende profitieren wir alle. Denn wir alle wollen doch in einer Region leben, die Charakter hat, mit der wir uns identifizieren können und die Kultur, schöne Landschaften und Orte mit Seele bietet. Dort zu Hause sein, wo andere Urlaub machen wollen. Das ist doch das Ziel!
Wertschöpfung innerhalb einer Region bringt also auf lange Sicht auch Lebensqualität, Identität und Tradition in eine Region.
Durch den Kauf eines Produkts im Supermarkt zahlst du häufig nicht die wahren Kosten, die dieses Produkt verursacht. Und das ist ein Problem. Denn es belohnt den Anbieter, der diese Kosten auf die Gesellschaft abwälzt. Die industrielle Landwirtschaft verursacht jedes Jahr Milliarden Euro an Schäden, wie Nitratbelastungen im Grundwasser oder ernährungsbedingte Krankheiten. Diese Kosten zahlen wir alle über höhere Wassergebühren und Krankenkassenbeiträge. Für billige globale Lebensmittel zahlen wir also mehrfach: Einmal an der Kasse, einmal über Agrarsubventionen und einmal für die Reparatur der verursachten Umwelt- und Gesundheitschäden. Regionale Bio-Lebensmittel sind da viel ehrlicher.