Ein vielfÀltiger Acker mit BÀumen und Hecken im Sommer

Klimafeste Höfe

14.08.2026 - ⏱ 4 Minuten

Warum Resilienz das neue Zauberwort der Landwirtschaft ist? 🌍

2024 war in Europa das wĂ€rmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen — weltweit das zweitwĂ€rmste. Hitzewellen mit ĂŒber 40 °C đŸŒĄïž treffen auf lange DĂŒrreperioden, anderswo fĂŒhrt Starkregen zu Überschwemmungen und Erdrutschen. Das belastet Böden, Kulturen und Nutztiere erheblich. Egal auf welchem Kontinent: Alle Landwirt:innen stehen heute vor derselben Frage — wie wird mein Hof widerstandsfĂ€higer gegenĂŒber klimabedingten Risiken?

Resilienz statt Rekordernte ✹

Praxiserfahrung und eine wachsende Zahl wissenschaftlicher Studien — aus Frankreich, der Schweiz, Italien, Deutschland und weiteren Regionen — zeigen: Agrarökologie, ökologischer Landbau und biodynamische Landwirtschaft können die Folgen des Klimawandels abmildern. Ihr gemeinsamer Nenner: Sie stellen nicht die kurzfristige Ertragsmaximierung in den Mittelpunkt, sondern die Resilienz des Ökosystems.

Resilienz heißt: Ein Hof funktioniert weiter — trotz Störungen, Unsicherheiten und Klimaschwankungen.

Vielfalt auf dem Acker đŸ„•

VielfĂ€ltige Betriebe mit Hecken, Wiesen, Teichen und Feldgehölzen schaffen ein Netz aus Wechselwirkungen: BĂ€ume spenden empfindlichen Kulturen und Tieren Schatten und bremsen den austrocknenden Wind, ihre Wurzeln erschließen tiefe Bodenschichten und verbessern die Wasserspeicherung. Und weil verschiedene Kulturen unterschiedlich auf Wetterextreme reagieren, sinkt das Risiko, dass eine ganze Ernte auf einmal ausfĂ€llt.

Wiesen, Hecken, Feldgehölze und ein kleiner Teich mit Storchennest in der Rheinaue Hecken, Feldgehölze, Wiesen und Teich auf engem Raum: So sieht eine vielfÀltige Kulturlandschaft aus. Foto: Xjvolker / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Solche Systeme erzeugen zudem mehr Biomasse und speichern mehr Kohlenstoff im Boden. Die organische Substanz verbessert die Bodenstruktur, erhöht die Wasseraufnahme — und hĂ€lt die Oberböden kĂŒhler. Denn ein bedeckter Boden bleibt kĂŒhl, wĂ€hrend sich offener Boden in der Sonne stark aufheizt ☀. Wie groß der Unterschied ist, zeigt eine aktuelle Studie im Auftrag des NABU: Unbedeckte Äcker können sich im Sommer auf bis zu 60 °C aufheizen — stellenweise mehr als Asphalt! Bewachsene Böden bleiben dagegen rund 30 Grad kĂŒhler. Der NABU fordert deshalb genau das, was resiliente Höfe ohnehin praktizieren: dauerhafte Bodenbedeckung, vielfĂ€ltige Fruchtfolgen, Humusaufbau sowie Hecken und andere Landschaftselemente, die Wasser in der FlĂ€che halten und die Landschaft kĂŒhlen.

Humus: der SchlĂŒssel liegt unter unseren FĂŒĂŸen đŸŒ±

Humus wirkt wie ein natĂŒrlicher Wasserregulator: Er lĂ€sst Regen besser versickern, reduziert OberflĂ€chenabfluss und stellt Pflanzen in Trockenzeiten mehr Wasser zur VerfĂŒgung. Stabile Bodenaggregate wirken der Erosion entgegen. Fruchtbarer Humus entsteht dabei vor allem in lebendigen Böden mit einer reichen Welt aus Mikroorganismen — genau die fördert der Bio-Landbau, etwa ĂŒber Kompost und die biodynamischen PrĂ€parate.

Zwei HĂ€nde halten eine Handvoll krĂŒmelige, dunkle Erde vor grĂŒnen BlĂ€ttern KrĂŒmelig, dunkel, lebendig: Humusreicher Boden speichert Wasser wie ein Schwamm. Foto: Scott Bauer / USDA NRCS, Wikimedia Commons, gemeinfrei

Wasser in der Landschaft halten 💧

Nicht nur der Acker selbst zĂ€hlt — auch der Wasserhaushalt der ganzen Landschaft ist aus dem Gleichgewicht. Viele natĂŒrliche Wasserspeicher wie Moore, Auen und WĂ€lder sind ĂŒber die vergangenen Jahrzehnte verloren gegangen. FrĂŒher wirkten diese Ökosysteme wie ein riesiger Schwamm, der Wasser zurĂŒckhĂ€lt und langsam wieder abgibt. Heute rauscht Regen nach Starkregen schneller ab — und fehlt dann in langen Trockenphasen. Landschaften, die Wasser wieder speichern können, schĂŒtzen gleich doppelt: vor DĂŒrre und vor Hochwasser. Auch hier zahlen Hecken, Feldgehölze und humusreiche Böden direkt auf die WiderstandsfĂ€higkeit ein.

WiedervernĂ€sstes Hochmoor mit WasserflĂ€chen, abgestorbenen Birken und GrĂ€sern im Goldenstedter Moor Ein Schwamm in der Landschaft: Das wiedervernĂ€sste Goldenstedter Moor im Landkreis Vechta, rund 60 km nördlich von OsnabrĂŒck. Foto: Volknei / Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0

Pflanzen, die sich anpassen 🍇

Der nÀchste Schritt: Pflanzen, die selbst besser mit Hitze, Trockenheit, Salzstress oder Krankheiten umgehen. Dass die Bewirtschaftung dabei eine Rolle spielt, zeigt eine Studie aus dem französischen Weinbau: Biodynamisch bewirtschaftete Reben passten ihre physiologischen Reaktionen besser an Klimastress und Krankheitserreger an als konventionell bewirtschaftete.

GrĂŒne Rebzeilen an einem Steilhang im Sommer Reben im Sommer: Wie Pflanzen auf Hitze und Trockenheit reagieren, hĂ€ngt auch von der Bewirtschaftung ab. Foto: Dietmar Rabich / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Und was heißt das fĂŒr deinen Einkauf? 🛒

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Quellen:

demeter.ch — „Klimaresiliente Landwirtschaft: Wege zu widerstandsfĂ€higen Agrarökosystemen" (Martin Quantin, Sektion fĂŒr Landwirtschaft am Goetheanum)

energiezukunft.eu — „Hitze und DĂŒrre: Wenn Ackerböden heißer werden als Asphalt"