Klimafeste Höfe
Warum Resilienz das neue Zauberwort der Landwirtschaft ist? 🌍
2024 war in Europa das wärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen — weltweit das zweitwärmste. Hitzewellen mit über 40 °C 🌡️ treffen auf lange Dürreperioden, anderswo führt Starkregen zu Überschwemmungen und Erdrutschen. Das belastet Böden, Kulturen und Nutztiere erheblich. Egal auf welchem Kontinent: Alle Landwirt:innen stehen heute vor derselben Frage — wie wird mein Hof widerstandsfähiger gegenüber klimabedingten Risiken?
Resilienz statt Rekordernte ✨
Praxiserfahrung und eine wachsende Zahl wissenschaftlicher Studien — aus Frankreich, der Schweiz, Italien, Deutschland und weiteren Regionen — zeigen: Agrarökologie, ökologischer Landbau und biodynamische Landwirtschaft können die Folgen des Klimawandels abmildern. Ihr gemeinsamer Nenner: Sie stellen nicht die kurzfristige Ertragsmaximierung in den Mittelpunkt, sondern die Resilienz des Ökosystems.
Resilienz heißt: Ein Hof funktioniert weiter — trotz Störungen, Unsicherheiten und Klimaschwankungen.
Vielfalt auf dem Acker 🥕
Vielfältige Betriebe mit Hecken, Wiesen, Teichen und Feldgehölzen schaffen ein Netz aus Wechselwirkungen: Bäume spenden empfindlichen Kulturen und Tieren Schatten und bremsen den austrocknenden Wind, ihre Wurzeln erschließen tiefe Bodenschichten und verbessern die Wasserspeicherung. Und weil verschiedene Kulturen unterschiedlich auf Wetterextreme reagieren, sinkt das Risiko, dass eine ganze Ernte auf einmal ausfällt.
Solche Systeme erzeugen zudem mehr Biomasse und speichern mehr Kohlenstoff im Boden. Die organische Substanz verbessert die Bodenstruktur, erhöht die Wasseraufnahme — und hält die Oberböden kühler. Denn ein bedeckter Boden bleibt kühl, während sich offener Boden in der Sonne stark aufheizt ☀️. Wie groß der Unterschied ist, zeigt eine aktuelle Studie im Auftrag des NABU: Unbedeckte Äcker können sich im Sommer auf bis zu 60 °C aufheizen — stellenweise mehr als Asphalt! Bewachsene Böden bleiben dagegen rund 30 Grad kühler. Der NABU fordert deshalb genau das, was resiliente Höfe ohnehin praktizieren: dauerhafte Bodenbedeckung, vielfältige Fruchtfolgen, Humusaufbau sowie Hecken und andere Landschaftselemente, die Wasser in der Fläche halten und die Landschaft kühlen.
Humus: der Schlüssel liegt unter unseren Füßen 🌱
Humus wirkt wie ein natürlicher Wasserregulator: Er lässt Regen besser versickern, reduziert Oberflächenabfluss und stellt Pflanzen in Trockenzeiten mehr Wasser zur Verfügung. Stabile Bodenaggregate wirken der Erosion entgegen. Fruchtbarer Humus entsteht dabei vor allem in lebendigen Böden mit einer reichen Welt aus Mikroorganismen — genau die fördert der Bio-Landbau, etwa über Kompost und die biodynamischen Präparate.
Wasser in der Landschaft halten 💧
Nicht nur der Acker selbst zählt — auch der Wasserhaushalt der ganzen Landschaft ist aus dem Gleichgewicht. Viele natürliche Wasserspeicher wie Moore, Auen und Wälder sind über die vergangenen Jahrzehnte verloren gegangen. Früher wirkten diese Ökosysteme wie ein riesiger Schwamm, der Wasser zurückhält und langsam wieder abgibt. Heute rauscht Regen nach Starkregen schneller ab — und fehlt dann in langen Trockenphasen. Landschaften, die Wasser wieder speichern können, schützen gleich doppelt: vor Dürre und vor Hochwasser. Auch hier zahlen Hecken, Feldgehölze und humusreiche Böden direkt auf die Widerstandsfähigkeit ein.
Pflanzen, die sich anpassen 🍇
Der nächste Schritt: Pflanzen, die selbst besser mit Hitze, Trockenheit, Salzstress oder Krankheiten umgehen. Dass die Bewirtschaftung dabei eine Rolle spielt, zeigt eine Studie aus dem französischen Weinbau: Biodynamisch bewirtschaftete Reben passten ihre physiologischen Reaktionen besser an Klimastress und Krankheitserreger an als konventionell bewirtschaftete.
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Quellen:
demeter.ch — „Klimaresiliente Landwirtschaft: Wege zu widerstandsfähigen Agrarökosystemen" (Martin Quantin, Sektion für Landwirtschaft am Goetheanum)
energiezukunft.eu — „Hitze und Dürre: Wenn Ackerböden heißer werden als Asphalt"
